ZUR GESCHICHTE DES
       ÄLTESTEN FREISTEHENDEN
              KONZERTSAALS EUROPAS

Ein kulturelles Kleinod ganz besonderer Art besitzt das Münsterland mit dem Steinfurter Bagno, dem ehemaligen Lustgarten des Grafen zu Bentheim-Steinfurt. Der kunstsinnige Reichsgraf ließ im beim Schloß gelegenen Wald eine exotische Gartenlandschaft, die einem heutigen Disneyland gleichkommt, errichten. Besucher aus ganz Europa promenierten vom chinesischen Palais zum griechischen Tempel, flanierten zwischen Süßem Brünnchen und Terrassenkaskaden. Man lustwandelte im Blumengarten der Prinzessin und stahl der Geliebten auf der Roseninsel einen Kuß.
Dem Garten gab ein Badesalon (ital. „il bagno“) seinen Namen. Der Burgsteinfurter Hof war zur Blütezeit des Gartens im ausgehenden 18. Jahrhundert eine sprudelnde Quelle des musikalischen Lebens. Graf Karl, selbst ein begeisterter Flötist, unterhielt eine mit 35 Instrumentalisten und Sängern besetzte Hofkapelle.
Für die Sommermonate ließ der Graf inmitten des Bagno einen Konzertsaal errichten. Nach dem französischen Vorbild der Schloßgalerie "Grand Trianon" in Versailles entstand die "Grande Galerie pour les concerts".
Während die Hofkapelle zeitgenössische Komponisten der Wiener Klassik spielte, lauschten draußen vor den geöffneten Seitentüren der Konzertgalerie "gut gekleydete" Besucher den Klängen der Instrumente, die mit dem Gesang der Vögel verschmolzen.
Die um 1774 erbaute Konzertgalerie gilt als der älteste freistehende Konzertsaal auf dem europäischen Kontinent. Aufwendige Stuckdekorationen im Stil "Louis XVI", grottierte Wandnischen, reich verzierte Spiegelwände und Deckenspiegel geben dem Inneren ein einzigartiges Ambiente.
Seit dem Frühjahr 1997, 223 Jahre nach der Erbauung, erwecken Konzerte mit Künstlern von Weltruf die sorgfältig rekonstruierte historische Stätte zu neuem Leben.

Il Bagno - GRANDE GALERIE POUR LES CONCERTS